Seit langem war es mir ein Bedürfnis, einmal die Schicksale und Geschichten der Vertriebenen Deutschen aus dem Sudentenland aus erster Hand erzählt zu bekommen. Des weiten habe ich mich steht’s auch für die Kultur und den Brauchtum aus dieser Region interessiert. Immerhin war das Sudentenland und damit ein Großteil Böhmens Wiege und Ursprung vieler Errungenschaften und kulinarischer Genüsse, die bis heute weltweiten Ruf genießen. Meine direkten Erfahrung aus dem heutigen Böhmen, oder wie es übersetzt „Tschechien“ heißt, dürfen eher nüchtern betrachtet werden. Das Kulinarische ist eher zu einem fettüberlagernden Magenbitter verkommen. Ganz zu Schweigen über die einst kulturelle und wirtschaftliche Region. Denn das würde einem jeden heimatverbundenen Menschen die Tränen in die Augen treiben. Ein ganz anderes Bild formte sich dann auf dem 60. Sudetendeutschen Tag in Augsburg. Dort bekam ein jeder Einblick in den Ursprung des böhmischen Mythos, der in den letzten Jahrzehnten in der eigentlichen Heimat derart heruntergewirtschaftet wurde. Hochwertige und filigrane Handarbeiten reihen sich an kulinarische Gaumenfreuden. Verlage präsentieren ihr Sortiment an heimischer Geschichte und Kultur. Brauchtum und Traditionen werden wie eh und je hoch geschätzt und hochbewertet. Tracht und Landmode rundeten den Gesamteindruck ab. Alles in allem konnte man einen guten Eindruck über die Sudeten gewinnen und doch nur trauern das so vieles nur noch von so wenigen gepflegt wurde. Die Messe Augsburg stellte zwar mit ihren Hallen einen geeigneten Platz für die vielen Anreisenden und Interessierten bereit aber es wurde auch ersichtlich, dass der Zahn der Zeit unweigerlich in Richtung Auflösung zu zeigen schien. Selbst wenn es hier und da einigen Großeltern sichtlich gelungen ist, die Vergangenheit, Werte und Traditionen ihren Kindern und Kindeskindern zu vermitteln, hielt sich dies doch sehr Grenzen. Meine Tochter wurde steht’s mit den Worten „unser Zukunft“ tituliert. Auch wenn das der Wahrheit entspricht muss dabei leider bemerkt werden, dass die „Zukunft“ zu wenig vertreten zu sein scheint um eine reale Zukunft bilden zu können. Zu allem Übel waren auch politische Stände der CSU und EPP auf der Veranstaltung vertreten um mit den ewig gleichen Parolen, wie sie vor 60 Jahren bereits geschwungen wurden auf Wählerfang zu gehen. Leider war auch klar ersichtlich, dass viele der anwesenden Menschen sich wie eh und je von dieser politischen Meinungsbildung beeindruckt gezeigt haben und steht’s Beifall spendeten, wenn ein Herr Beckstein oder ein anderer dieser Politiker vorbeischritt. Ich selbst habe nur 5 Min. der Rede von Herr Beckstein am 30. Mai ertragen und selbst diese waren beinahe unerträglich. Es war die Rede vom wichtiger Kampf zum Erhalt der Kultur der Sudeten und dass es wichtig sei diese zu pflegen. Im Grunde hätte diese Rede aus dem Jahr 1949 sein können. Denn nichts hat sich seit dem verändert. Nicht ein Wort wurde darüber verloren die Heimat nicht aufzugeben. Es wurde auch nicht vermittelt, dass seit 1. Mai 2009 es wieder möglich ist Grundstücke mit Häusern darauf in Böhmen zu erwerben ohne ein Unternehmen anzumelden. Vielmehr kam es so rüber als ob sich die Menschen damit abfinden sollten hier in ihrer zweiten Heimat ihre Kultur zu pflegen und die eigentliche Heimat aufgeben sollten. Die Politik hat 60 Jahre in diesem Bezug versagt und wird auch den Vertriebenen in den nächsten 60 Jahren nichts bieten können. Doch eines dürfte bis dahin klar sein. Die wenigen die bis dahin noch das Brauchtum, die Traditionen und die Kultur der Sudenten pflegen, werden auf Grund ihrer personellen Unbedeutsamkeit keine politische Aufmerksamkeit mehr erhalten.
Es waren Millionen Vertriebene Deutsche der 1. Generation die ihrer Heimat entrissen wurden und auf eine bessere Zukunft gehofft hatten. Es sind mit der 2. und 3. Generation weit mehr Vertriebene als je zuvor und dennoch schwindet das Interesse dieser Menschen an ihrer Heimat. Ein jeder sollte wissen woher er kommt um zu wissen wohin er gehen möchte. Doch dieses Prinzip wurde durch Egoismus und Selbsthass vor vielen Jahren verdrängt und sorgt damit für eine Auslöschung Jahrhunderte alter Traditionen und Geschichte. Wir sollten uns wieder mehr auf die Grundwerte besinnen als auf die materiellen Dinge. Denn ohne Werte und Identität existieren wir nicht.
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